Die lieben Verwandten

Etwas weitläufiger verwandt, dafür aber ohne menschliches Zutun bei uns seit jeher heimisch ist das Reh. Der Irrglaube, das Reh sei das Weibchen vom Hirsch ist weitverbreitet. Das würde aber nicht gutgehen. Rehe sind bedeutend kleiner als Hirsche – 20 kg ist schon ein gutes Gewicht. Ein Hirsch wiegt durchaus zehnmal so viel. Rehe sind in Deutschland flächendeckend verbreitet. Im Gegensatz zum Rothirsch sind sie einzeln lebende Waldtiere. Mittlerweile haben sie sich jedoch unserer Kulturlandschaft angepasst und besonders im Winter sehen wir sie gelegentlich in Gruppen (Sprüngen) auf den abgeernteten Feldern.

Im Nordosten Deutschlands taucht gelegentlich ein weiterer entfernter Verwandter des Hirsches auf, der Elch. Die Wälder Skandinaviens, Polens und Russlands (und des nördlichen Amerikas) sind heute seine natürliche Heimat, und über Pommern gelangen Einzelne immer wieder zu uns nach Deutschland. Obwohl pferdegroß und doppelt so schwer wie ein Hirsch, ist er wie das Reh ein Waldtier. Unverwechselbar sind die Elchschaufeln, das Geweih der männlichen Elche. Charakteristisch ist auch die Fortbewegung der Elche, deren Trab (Troll) selbst im unwegsamsten Gelände außerorderntlich elegant wirkt.

Ebenfalls mit dem Rothirsch verwandt ist das Rentier (Eurasien) bzw. Karibu (Nordamerika). Es sind die einzigen Hirschartigen, bei denen auch die Weibchen Geweihe tragen. Bekannt sind sie für ihre weiten, regelmäßigen, jahreszeitlichen Wanderungen zu vielen tausend Tieren. Während in Sibirien und Nordamerika Ren bzw. Karibu noch nach ihrem natürlichen Rhythmus leben, sind die Rentierenden, denen man in Skandinavien begegnet, praktisch alle domestiziert, also Nutztiere.

Einige Verwandte unseres Hirsches sind bedrohte Arten, z.B. Muntjak, Axis-, Leier- oder Davidshirsch. Erwähnt sei hier noch das fernöstliche, sehr kleine Moschustier mit seinen langen Eckzähnen, dem wegen einer walnussgroßen Drüse nachgestellt wird. Aus ihr wird der Duftstoff Moschus gewonnen, der nur in die teuersten Parfüms gelangt (billigere verwenden synthetisches Moschus). Moschus ist eines der teuersten Naturprodukte der Welt: über 50.000 US $ pro Kilogramm werden bezahlt. Und um ein Kilogramm Moschus zu gewinnen, müssen ca. 160 Moschustiere erlegt werden. Zwar wird der Handel beschränkt und international kontrolliert, aber das scheint nur bedingt wirksam zu sein.

Dr. Doris Hofer

Vorkommen von Rothirsch-Untertarten

Verbreitung des Rothirsches weltweit

Die Art „Rothirsch“ (Cervus elaphus) ist in vielen Unterarten verbreitet – um den Polarkreis, rund um die nördliche Halbkugel, von den Britischen Inseln über Europa hinweg nach Nordafrika, durch Zentralasien, Sibirien, die Fernostregion Russlands und hinüber in die Neue Welt, nach Nordamerika, wo Rothirsche von Kanada bis Nordmexiko Berge, Wälder und Prärien bewohnen.

Forscher haben die Entstehung der Rothirsch-Vielfalt in groben Zügen aufgedeckt – sie ist ein Produkt von Gletscher-Vorstößen und -Rückzügen, von Isolation in Refugien, genetischen Flaschenhalseffekten und Hybridisierung.
Diese Karte zeigt die Vorkommen von Rothirsch-Unterarten nach neusten genetischen Erkenntnissen.

Prof. Dr. Wolfgang Schroeder