Rotwild Steckbrief Alttier-Porträt

Systematik

Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla); Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia); Familie: Hirsche (Cervidae); Unterfamilie: Altwelthirsche (Plesiometacarpalia), Art: Rothirsch (Cervus elaphus)

Verbreitung

Gesamte Nordhalbkugel (Europa, Asien, Nordamerika) in verschiedenen Unterarten und Ökotypen.

Lebensraum

Ursprünglich Bewohner offener bzw. halboffener Landschaften (z. B. der Urstromtäler und Flussniederungen) mit z.T. ausgedehnten Wanderungen zwischen Sommer- und Wintereinständen. Heute in Mitteleuropa durch den Menschen auf Refugien im Wesentlichen in den großen Waldgebieten zurückgedrängt.

Erscheinung

Größte einheimische Hirschart mit auffälligem Geweih beim Männchen (Hirsch), das jährlich abgeworfen und neu gebildet wird, Körperlänge bis max. ca. 2,5 m, Gewicht bis etwa 250 kg, Männchen ca. 1/3 größer als Weibchen (Tiere). Fell (Decke) im Sommer rotbraun, im Winter graubraun.

Zur Fortpflanzungszeit „schreit“ der Hirsch (im Volksmund auch „röhren“ oder „brüllen“ genannt), um seinen Anspruch auf ein so genanntes Brunftrudel zu symbolisieren. Die Tiere lassen als Kontaktlaut ein relativ leises „Mahnen“ vernehmen.

Nahrung (Äsung)

Pflanzenfresser (Wiederkäuer); recht breites Nahrungsspektrum: Gräser, Kräuter, Triebe, Knospen, Nadeln, Blätter, Rinde, Eicheln, Kastanien, Bucheckern, Rüben, Mais, Hafer, Kartoffeln.

Natürliche Feinde

Bis vor einigen Jahren hatte Rotwild in Deutschland keine natürlichen Feinde mehr. Seit der Rückkehr der Wölfe hat sich dies geändert. Ob Wölfe die Rotwildbestände allerdings zahlenmäßig wesentlich beeinflussen ist noch unklar. Klar ist hingegen, dass sich die räumliche Verteilung des Rotwildes beim Auftauchen von Wölfen verändert und sich die Art mitunter in Großrudeln zusammenstellt.

Neben den Wölfe gehören auch Luchse, die sich vor allem in Nord- und Mitteldeutschland wieder ausbreiten, zu den natürlichen Feinden des Rothirsches. In der Regel werden sie jedoch nur Kälber erbeuten.

Neben den natürlichen Feinden fallen jährlich bis zu 3.000 Stück Rotwild dem Straßenverkehr zum Opfer. Krankheiten spielen als Todesursache eine eher geringe Rolle.

Bestandsentwicklung

In Deutschland leben ca. 200.000 Stück Rotwild (Stand 2014). Seine Populationsentwicklung wird dabei insbesondere durch Jagd beeinflusst. Insgesamt ist die Tendenz der Populationen in den vergangenen Jahren eher zunehmend. Regional gibt es jedoch deutliche Unterschiede: Teilweise wurden die Populationen in der jüngeren Vergangenheit drastisch reduziert, teilweise sind Populationen in einem massiven Populationswachstum begriffen. Im Durchschnitt aller Vorkommen leben etwa 25 Stück Rotwild auf 1.000 ha tatsächlichem Rotwild-Lebensraum in Deutschland

Gefährdung

Der Rothirsch ist in Deutschland im Moment nicht gefährdet. Eine mögliche langfristige Gefährdungsursache ist allerdings die anhaltende Verinselung der Subpopulationen über viele Generationen hinweg, insbesondere aufgrund agrarpolitischer Vorgaben und einer zunehmenden Zerschneidung der Landschaft durch Straßenbau. Durch den massiven Nutzungsdruck auf seine Lebensräume wird Rotwild bei uns jedoch an seinen natürlichen Verhaltensweisen gehindert.

Beobachtungsmöglichkeit

Rotwild ist durch die intensive Bejagung und durch Störungen durch den Menschen von einer tagvertrauten Art zum Nachttier geworden. Seine Beobachtungsmöglichkeiten sind daher heute sehr eingeschränkt. Eindrucksvoll ist allerdings das „Klangkonzert“, das man in vielen Gebieten mit Rotwildvorkommen in der Zeit von etwa Ende September bis Anfang Oktober insbesondere in kalten Herbstnächten hören kann.

Orte zum Rotwilderlebnis in Deutschland finden Sie hier.