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Trophäenjagd im Nationalpark?

(Hannoversche Allgemeine vom 17. August 2016) Der frühere Leiter des Nationalparks Harz kritisiert die derzeitige Rotwildjagd im Großschutzgebiet. Die sollte es eigentlich nur unter streng ökologischen Kriterien geben. Doch unter der Hand habe sich eine widersinnige Entwicklung vollzogen. Sein Vorwurf: „Wir haben praktisch eine Trophäenjagd bekommen, die dem Gedanken eines Nationalparks völlig zuwiderläuft“, sagt Wolf-Eberhard Barth. Dies belegten Veröffentlichungen des Rotwildringes Harz, in denen sich unter dem im Nationalpark Harz erlegten Rotwild ungewöhnlich viele kapitale Hirsche fänden.

Der Nationalpark Harz, der als gesamtdeutsches Projekt 2006 fusionierte, umfasst etwa ein Zehntel der Mittelgebirgsregion rund um den Brocken. Im Gegensatz zum Schweizerischen Nationalpark ist hier die Jagd auf Hirsche erlaubt. Männliche Rothirsche sollten aber nur bis zu einem Alter von vier Jahren bejagt werden. So ist es in den Konzepten des Nationalparks festgehalten. Doch die jüngste Statistik (2015) des Rotwildringes Harz spricht eine andere Sprache. „Das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Hirschen war mit 368 zu 366 fast gleich. Und unter den erlegten Hirschen war sogar ein zwölf Jahre alter Zwanzigender“, klagt der frühere Forstdirektor.

Sabine Bauling von der Nationalparkverwaltung widerspricht hier nicht. Sie bestätigt, dass derzeit auch ältere Hirsche abgeschossen würden. „Nicht wegen der Trophäen“, sagt sie: „Aber wir haben ein echtes Rotwildproblem.“ Dass man von den selbst gesetzten Regeln abweiche, sei eine „temporäre Sache“, von der man erst lasse, wenn die Population zurückgegangen sei. Deshalb habe man seit 2010 steigende Abschusszahlen. Bauling verweist auf den „extremen Wildtierverbiss“: „Wenn zehn Jahre alte Buchen wie ein Bonsai aussehen, dann hat das nichts mit Nationalpark zu tun.“ Für Barth führt diese Abschuss-Strategie in die völlig falsche Richtung. Denn man vergräme die Hirsche, die doch Besucher des Nationalparks anziehen sollten.

Zu dem Artikel in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung gelangen Sie hier.

Die Deutsche Wildtier Stiftung forderte auf ihrem 8. Rotwildsymposium  im Juli 2016 den Jagdverzicht in Kernzonen der Nationalparke. Rotwild und andere wildlebende Huftiere haben einen ökologischen Zweck und sind der Schlüssel für viele ökologische Prozesse. Der Umgang mit Huftieren sollte daher vor allem dort neu bewertet werden, wo der Schutz der natürlichen Prozesse im Vordergrund steht. Zu diesen sogenannten Prozessschutzflächen gehören auch die Kernzonen der Nationalparke. Die Reduktion und Nutzung von Schalenwild durch Jagd sollte aus Sicht der Deutschen Wildtier Stiftung in die Übergangsbereiche zur Normallandschaft konzentriert werden.